Schatten-KI einfach erklärt
Schatten-KI bezeichnet KI-Werkzeuge, die Mitarbeiter ohne Freigabe nutzen: der kostenlose Chatdienst, in den der Vertrieb Angebote kopiert, die Übersetzungs-App, in die der Einkauf Verträge lädt. Die Daten landen bei Anbietern ohne Vertrag, oft außerhalb der EU, manchmal im Training des Modells. Verbote helfen nicht. Was hilft, ist eine freigegebene Alternative, klare Regeln und eine Schulung.
Der Begriff ist von der Schatten-IT abgeleitet, also Software, die Abteilungen ohne die IT einführen. Bei KI geht es schneller: Ein Mitarbeiter braucht nur einen Browser und ein privates Konto. In einem Unternehmen mit 200 Mitarbeitenden nutzen erfahrungsgemäß mehrere Dutzend regelmäßig einen Chatdienst für ihre Arbeit, ohne dass die Geschäftsführung davon weiß. Sie formulieren E-Mails, fassen Verträge zusammen, übersetzen Angebote, lassen Code schreiben. Die Werkzeuge sind nützlich, deshalb werden sie benutzt.
Wo das Risiko liegt
Drei Probleme. Datenschutz: Kundendaten und Personaldaten gehen an einen Anbieter ohne Auftragsverarbeitungsvertrag, oft in die USA, siehe DSGVO und KI. Geschäftsgeheimnisse: Konstruktionsdaten, Kalkulationen und Verträge liegen auf Servern, die niemand im Unternehmen kontrolliert, und können bei kostenlosen Konten als Trainingsdaten dienen. Qualität: Niemand prüft, ob die Antworten stimmen, und niemand weiß, welche Entscheidungen auf Basis einer erfundenen Angabe getroffen wurden. Dazu kommt der EU AI Act, der eine Übersicht über eingesetzte KI-Systeme voraussetzt.
Ein Beispiel aus dem Alltag
Eine Konstruktionsabteilung ließ einen kostenlosen Chatdienst regelmäßig Berechnungsskripte schreiben und lud dafür Auszüge aus Zeichnungen hoch. Niemand hatte böse Absichten, die Werkzeuge beschleunigten die Arbeit spürbar. Die IT erfuhr davon durch Zufall bei einer Netzwerkauswertung. Die Lösung war kein Verbot, sondern ein freigegebener Assistent mit Vertrag, Zugriff auf das Intranet und einer Schulung, in der die Konstrukteure ihre eigenen Aufgaben durchspielten. Danach gab es keinen Grund mehr für das private Konto.
Wie man Schatten-KI einfängt
Verbote verlagern die Nutzung nur aufs private Handy. Was funktioniert: eine Bestandsaufnahme, wer was wofür nutzt, ohne Sanktionen. Eine freigegebene Alternative, die mindestens so bequem ist wie der kostenlose Dienst. Klare Regeln, welche Daten in welches Werkzeug dürfen. Und ein Workshop, der zeigt, wie man das freigegebene Werkzeug gut nutzt. Die Erfahrung zeigt: Mitarbeiter wechseln gern, wenn die Alternative besser ist.
Nächster Schritt
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